Qualitätssicherung

‚Qualität‘ ist ein in unterschiedlichsten Kontexten verwendeter und leider auch vielfach missverstandener Begriff geworden und, obwohl häufig gebraucht, fehlt eine griffige Spezifikation.

Wir schlagen vor, für die Belange der tiergestützten Therapie die im Gesundheitswesen anerkannte Definition der amerikanischen Joint Commission on the Accreditation of Health Care Organisations aus dem Jahr 1990 wie folgt anzupassen:

„Qualität ist der unter Anwendung des derzeitigen Wissens durch tiergestützte Interventionen erreichte Grad der Wahrscheinlichkeit, für den Klienten bzw. Patienten unter Einhaltung tierethischer Standards erwünschte Wirkungen zu erzeugen und unerwünschte Wirkungen zu vermeiden.“

Aus dieser Definition lässt sich folgendes ableiten:

  • Die Ergebnisse der tiergestützten Interventionen müssen eindeutig bestimmten Projekt-, Interventions- oder Vermittlungsprozessen zugeschrieben werden können (Effektivität);
  • die Zielorientierung tiergestützter Interventionen, die sich zwar aus verschiedenen Perspektiven (Nutzer, Anbieter, Angehörige, Kostenträger) unterschiedlich darstellen kann, deren Mittelpunkt aber die Perspektive der Klienten bildet (Klientenorientierung);
  • die Erfordernis, auch die Möglichkeit in den Blick zu nehmen, dass Klienten unerwünschten Wirkungen tiergestützter Interventionen ausgesetzt sind, etwa Nebenwirkungen, Komplikationen, Unfällen und Übertherapie (Klientensicherheit);
  • die Bedeutung von Qualitätsmaßen, damit die verschiedenen Dimensionen von Qualität einer Messung und Bewertung zugänglich und als Gegenstände von Qualitätssicherung, Qualitätsmanagement und Evaluation untersucht werden können (Messbarkeit);
  •  die Notwendigkeit, sich am jeweils aktuellen Kenntnisstand zu orientieren, d.h. Qualität weiter zu entwickeln (Qualitätsentwicklung);
  • die Beachtung hoher ethischer Grundsätze im Umgang mit Tieren (Tierethik).

Qualität kann in Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität unterteilt werden.

  • Unter Strukturqualität werden die personelle, finanzielle und technische Ausstattung sowie die administrativen, gesetzlichen und organisatorischen Bedingungen verstanden.
  • Die Prozessqualität bezieht sich auf die Durchführung von Projekten, Maßnahmen oder spezifische Interventionen, deren Koordinierung sowie die Klientenorientierung.
  • Die Ergebnisqualität umfasst die der tiergestützten Intervention zuschreibbaren Veränderungen des Gesundheitszustandes, der Lebensqualität, der personellen Ressourcen, der Persönlichkeitsentwicklung oder auch der Zufriedenheit des Klienten.
  • Planungsqualität bezieht sich u. a. auf die Fragen, ob der Bedarf für tiergestützte Interventionen sachlich erhoben und die Bedürfnisse der Zielgruppe erfasst sind, ob die Vorerfahrungen aus anderen Projekten angemessen berücksichtigt und die wissenschaftlichen Grundlagen aufbereitet sind und ob die Intervention theoriegestützt entwickelt wurde.

Die ESAAT hat umfangreiche Qualitätsgrundsätze entwickelt, die rechts in der Randspalte heruntergeladen werden können.